RADIKAL

Es wird darüber gerätselt, ob und wann er sich radikalisiert hat, der junge gewaltbereite „Fremde“. Talkshows zu diesem Thema werden veranstaltet, Experten erklären in den Medien, wie schnell oder wie langsam der Vorgang von statten gehen kann. „Er hat sich radikalisiert“: man bekommt den Eindruck, als handele es sich um einen Prozess, der sich im gesellschaftlichen Vakuum abspielt oder als ob Gewalt als Nebenprodukt des Gebrauchs von Freiheit, des Rechts auf freie Wahl zu betrachten sei. Wenn überhaupt, so werden Ursachen stets in einem „Außerhalb“ gesucht und nicht in der faktisch alternativlosen ökonomischen, gesellschaftlichen, kulturellen und räumlichen Ausschließung oder Marginalisierung. Dass der „Fremde“ so fremd gar nicht ist, ist etwas, was die Mehrheitsgesellschaft verdrängt, schlichtweg nicht wahrhaben will. Ein anderer Nebeneffekt des aktuellen Radikalisierungsdiskurses ist die generelle Stigmatisierung von Radikalität. In der Bewahrung der Routinen und herrschenden Codierungen des Denkens und des Handelns wähnt man sich in Sicherheit. Konformismus ist die unmittelbare Folge daraus. Konformismus bedeutet aber Stillstand und Zukunftsverweigerung.

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